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Und es hat 2oom! gemacht

 

03.03.2017
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Wohin die Wüste, eine Kampfsportart, die Automobilwerbung und das Bedürfnis nach mehr Menschlichkeit führen können
Text: Johannes P. Reimann  |  Foto: Markus Spiske

Erinnerst Du Dich, lieber Leser, noch an die TV-Werbung eines Automobilherstellers, der seine Straßenfahrzeuge zur Jahrtausendwende mit Hochgeschwindigkeit durch eine leere und vertrocknete Wüste jagte — um auf diese Weise für ein »Zoom!-Gefühl« zu werben, das natürlich nur mit den Vehikeln dieses Typs zu erleben sei? Wenn Du den Clip seiner diversen Missverständnisse und Tricksereien entkleidetest — Was haben Straßen-Pkw bitteschön in einer Sandwüste zu suchen? Darf das beworbene Lebensgefühl auch ein Vielfaches an Ressourcen kosten, bei einer Klimaanlage auf Hochtouren und einer Geschwindigkeit, die den Kraftstoffverbrauch in für Flugzeuge typische Größenordnungen hievt? Weshalb flüstert ein Kind in die Kamera, das doch noch gar keinen Führerschein erwerben kann? —, konntest Du im Kern vielleicht das zarte Pflänzchen eines wahren Ansatzes entdecken: die Freude am Fahren (Ups, doch nur eine Paraphrase auf einen anderen Automobilhersteller?)

Weil Automobile eigentlich mehr wegnehmen, als sie geben — sprich: Weil ihr Schaden deutlich größer ist als ihr Nutzen — müssen die Marketingabteilungen der Hersteller zwangsläufig auf die Vortäuschung von Qualitäten verfallen, die sie dann teuer simulieren. Sie verkaufen keinen Gebrauchsgegenstand, sondern eine Illusion. Mit der Zwanghaftigkeit dieser Anpreisung haben sie es an der einen oder anderen Stelle vielleicht übertrieben. Die ›Freude am Fahren‹ wurde etwa dem Nutzer eines BMW-Motorrads zum Verhängnis: Seine Dauererektion führte keineswegs zum Lustgewinn, sondern zu ernsthaften gesundheitlichen Beeinträchtigungen.

Zurück zum Ursprung

Es wird also Zeit, dass das Zoom-Gefühl wieder dorthin zurückkehrt, woher es eigentlich stammt: zum Menschen. Denn nicht etwa das Vorbild der Autowerbung soll Pate stehen für die Kennzeichnung dieses Online-Magazins, in dem Du, lieber Leser, gerade stöberst, sondern ihre betrügerische Aneignung fremder Vorzüge soll mahnen: Lebensqualität schafft nur das, was das Leben auch zur Geltung bringt. Egal, wie viele Milliarden jährlich in die Hochglanz-Reklame fließen. 2oom! will es stattdessen mit dem kleinen Heureka versuchen, das einem offenen Geist und einem wohlgesonnenen Herzen doch so viel leichter zugeht als künstliche Umgebungen. 2oom! bedient sich dabei im übertragenen Sinne der fotografischen und filmischen Technik des Näherkommens, des Heranrückens — und zwar an das, was abseits eitler Besserwisserei und naiver Technikgläubigkeit rund um das Fahrrad tatsächlich zählt. Oder besser: wer. Denn das Fahrrad allein bedeutet nichts, der Mensch auf dem Fahrrad vielleicht, wenn sich genug Bewegungswillige dem 2oom!-Gefühl anschließen, die ganze Welt.

Witzigerweise führen die Spuren des TV-Spots selbst in diese Richtung. Der Song »Zoom-Zoom-Zoom«, ebenso entfremdet wie das Gefühl dazu, entstand nämlich in der Capoeira-Szene und wurde als Teil des Soundtracks zum Film ›Only the Strong‹ bekannt. Bewegung, Akrobatik, Tanz — mehr als nur ein einzelner Bezug zum Radfahren. Selbstverständlich auch Kampf, aber nicht, in automobil-egomaner Weise, gegen schwächere Verkehrsteilnehmer, sondern um ein neues und gesundes Selbstbewusstsein, um die Befreiung von jeglicher Profilierungssucht und um einen gewinnbringenden Einklang zwischen dynamischer Bewegung und verwurzelter Umwelt. 2oom! möchte keine scharfe Ideologie-Waffe, auch kein grober Nachrichten-Prügel sein, sondern eine fließende Geste von Erkenntnis und Empathie, mitten hinein in das menschliche Zentrum für Vernunft und Anstand.

Eine Idee kommt gern auf zwei Rädern

Nun begab es sich, dass der Begriff ›zoom‹, auch mit jedem erdenklichen Zusatz und in allen Variationen, längst nicht mehr als Domain erhältlich war. Weil die Zahl Zwei aber ganz gut als typografischer Ersatz für den Buchstaben Z funktioniert und noch dazu genialerweise bereits auf das hinweist, was das Prinzip Fahrrad so unschlagbar macht, nämlich die Dualität der Aspekte — Zusammenwirken von Mensch und Maschine, Antrieb über zwei Pedale, die Verbindung zweier Achsen mittels Kette, zwei Räder —, lag ihr Casting sehr nahe. Und hoppla: Im Zusammenspiel mit den beiden kleinen O weist die Zahl dann plötzlich auch auf das runde Jubiläum im Jahr 2017 hin, dem Jahr, in dem sich 2oom! einiges vorgenommen hat. Welches? Du wirst es erraten, lieber Leser.

Die inhaltliche Sortierung der Beiträge hier folgt lieber einem Metaprinzip als der üblichen, aber staubbedeckten Untergliederung in erkenntnisferne Kategorien wie ›Infrastruktur‹, ›Verkehrssicherheit‹, ›Elektromobilität‹, … schließlich handelt 2oom! nicht (absichtlich oder vorrangig) von Radverkehrsförderung, sondern von der Leidenschaft für das Fahrrad in allen Lebenslagen. Der Insider mag sich geneigt sehen, da einen diametralen Gegensatz zu erkennen. Stattdessen stehen hier die Begriffe ›Stil‹, ›Kult‹ und ›Plan‹ als Propheten für hoffentlich spannende Themen, anrührende Stories und heitere Zuversicht. Was jeweils dahinter steckt: Nun, Du bist herzlich eingeladen, lieber Leser, das Hauptmenü zu benutzen. Bei der thematischen Einordnung und auch der Navigation unterstützen das Schlagwort in der Kopfzeile und die Stichwortlisten unter den Beiträgen.

Bleibt nur noch, viel Spaß zu wünschen beim Stöbern und Schmökern. Im Idealfall wecken die Texte Lust, zu kommentieren oder auch offline mit Bekannten und Verwandten über das Fahrrad zu sprechen. Oder es gar selbst mal wieder zu fahren. Denn Lust ist in diesem Zusammenhang der einzig passende Fachbegriff. Übrigens: Wer Fahrrad fährt, hat besseren Sex. Im Ernst. 2ooooom! Damit kommt die Freude am Fahren, kommt das 2oom!-Gefühl, dann vollends zurück nachhause.

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